
Unwetter in der Lombardei: Region beantragt Notstand
Nach den schweren Unwettern in der Lombardei hat Regionalpräsident Attilio Fontana die Ausrufung des Notstands beantragt. Der Antrag wurde an den italienischen Zivilschutzminister Nello Musumeci gerichtet. Dieser habe zugesichert, die Angelegenheit so bald wie möglich dem Ministerrat vorzulegen, teilte Fontana mit.
Die Region arbeitet derzeit an der notwendigen Dokumentation. Besonders betroffen sind die Provinzen Brescia, Bergamo und Sondrio. Nach Angaben der lombardischen Behörden fielen in den Orobie-Alpen bis zu 270 Millimeter Regen, am oberen Comer See wurden bis zu 260 Millimeter registriert. Die Feuerwehr war im gesamten Regionalgebiet bei mehr als 450 Einsätzen tätig.
Zu den schwersten Schäden zählt der Einsturz der Brücke zwischen dem Ortsteil Rino und Sonico im Val Camonica. In mehreren Gebieten kam es zu Erdrutschen, Murenabgängen und Überschwemmungen. Gemeinden im Val Brembana waren zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten.
In Sonico wurden 57 Menschen vorsorglich untergebracht. In Vione mussten nach dem Überlaufen des Bachs Vallaro 70 Personen evakuiert werden, darunter 55 Touristen. Sie fanden unter anderem bei den örtlichen Alpini, bei Freunden und Verwandten sowie in einem Bed & Breakfast im benachbarten Temù Unterkunft. In Ponte di Legno blieben alle Personen in einer Seilbahnkabine unverletzt, nachdem deren Steuerzentrale von einem Blitz getroffen worden war.
Im Bergamo-Gebiet wurden rund 250 Menschen aus dem Campingplatz San Simone in Isola di Fondra evakuiert. Ein Teil kam in den Turnhallen von Lenna und Piazza Brembana unter, weitere Personen wurden von Freunden, Verwandten oder in einem Gebäude nahe des Campingplatzes aufgenommen. In Gandellino wurde ein kommunaler Radweg wegen des Einsturzes einer darüberliegenden Mauer gesperrt. Die SP2 bei Branzi ist wieder geöffnet.
Auch in den Provinzen Sondrio, Como und Lecco wurden Schäden gemeldet. Auf der Staatsstraße Regina (SS340) im Raum Como kam es zu Erdrutschen und Gerölllawinen; die Straße wurde am späten Abend des 20. August wieder in beide Richtungen freigegeben. An der SS42 in der Provinz Brescia arbeiteten Techniker von ANAS an der Wiedereröffnung. Die Provinzstraße SP67 zwischen Premana und Pagnona in der Provinz Lecco blieb wegen umgestürzter Bäume und Geröll gesperrt.
In Albaredo per San Marco im Veltlin wurden nach einem Murenabgang vorsorglich sechs Menschen evakuiert, darunter zwei Touristen. In mehreren Orten wurden Flüsse und Bäche weiter beobachtet. Der Zivilschutz und die zuständigen Behörden arbeiten nach Angaben der Region rund um die Uhr an der Sicherung der betroffenen Gebiete, der Unterstützung der Bevölkerung und der Wiederherstellung von Straßen und Infrastruktur.