
Mafia-Beschlagnahmungen: 67 Immobilien in der Provinz Verona unter ANBSC-Verwaltung
In der Provinz Verona werden derzeit 67 von der organisierten Kriminalität beschlagnahmte Immobilien von der Nationalagentur ANBSC verwaltet. Weitere 73 Immobilien wurden bereits öffentlichen oder anderen berechtigten Trägern zugewiesen. Damit liegt Verona in Venetien bei den verwalteten Objekten hinter Venedig an zweiter Stelle.
Die Zahlen wurden bei der Tagung „Beni confiscati e contrasto alla criminalità organizzata“ bekannt gegeben, die von der Stadt Verona veranstaltet wurde. Insgesamt verwaltet die ANBSC in Venetien 247 beschlagnahmte Immobilien, 290 weitere sind bereits zugewiesen.
Auch Unternehmen sind betroffen: In Venetien befinden sich 34 Firmen unter ANBSC-Verwaltung, 15 wurden bereits zugewiesen. In der Provinz Verona sind es sieben Unternehmen unter Verwaltung und zwei bereits zugewiesene.
Die Beigeordnete für Legalität und Transparenz der Stadt Verona, Stefania Zivelonghi, betonte bei der Veranstaltung die Bedeutung, beschlagnahmte Vermögenswerte wieder für die Allgemeinheit nutzbar zu machen. Die Stadt habe dazu bereits mehrere Initiativen gestartet. Der Gemeinderat beschloss außerdem, sich in Verfahren wegen Mafia-Taten auf dem Stadtgebiet als Nebenkläger zu beteiligen.
Alessandra Dolci, leitende Staatsanwältin in Venedig, wies auf die langen Zeiträume zwischen der endgültigen Beschlagnahmung und der späteren Zuweisung an öffentliche Träger hin. Ein geplantes Abkommen zwischen der Region Venetien, dem italienischen Gemeindeverband ANCI und der Staatsanwaltschaft Venedig soll die Einrichtung eines technischen Arbeitskreises ermöglichen und die Verfahren erleichtern.
Zu den Problemen gehören unter anderem Schulden gegenüber gutgläubigen Gläubigern, Abweichungen im Kataster und im Baurecht sowie ungeteilte Eigentumsanteile. Nach Angaben von Maria Rosaria Laganà, Direktorin der ANBSC, fehlen insbesondere kleineren Gemeinden häufig die finanziellen Mittel und die fachlichen Kapazitäten, um Projekte für die Nutzung der Immobilien auszuarbeiten. Unterstützt werden sollen sie unter anderem durch regionale Förderprogramme und die Planungskompetenz der staatlichen Agentur für Staatsvermögen.
Bei der Tagung wurde außerdem die Präsenz der ‘Ndrangheta im Raum Verona thematisiert. Nach den vorgetragenen Einschätzungen wurden dort über Jahre hinweg erhebliche Mengen illegaler Gelder in die lokale Wirtschaft investiert, insbesondere in Immobilien und Unternehmen. Vertreter aus Justiz, Verwaltung und Zivilgesellschaft forderten deshalb eine engere Zusammenarbeit und eine Stärkung der Ermittlungs- und Justizstrukturen.