
Hochwasser in Trient 1966: Feuerwehrmann Gino Zanolli erinnert sich
Ein Meter Wasser in der Feuerwache, überflutete Straßen und kaum funktionierende Funkgeräte: An das Hochwasser vom 4. November 1966 erinnert sich Gino Zanolli noch genau. Der heute 88-Jährige war damals junger Feuerwehrmann beim Korps der Berufsfeuerwehr in Trient.
„Hier in der Feuerwache stand das Wasser einen Meter hoch. Zu Fuß konnte man nicht hineingehen, das Wasser reichte bis zur Hüfte. Die wenigen Fahrzeuge, die wir hatten, waren überflutet“, berichtet Zanolli.
## Rettungseinsätze ohne funktionierende Kommunikation
Zanolli und seine Kollegen waren rund eine Woche lang im Einsatz. Die Straßen der Stadt standen teilweise unter Wasser, die Fahrzeuge waren blockiert und die Funkgeräte funktionierten nicht zuverlässig. „Wir gingen einfach los. Funkgeräte gab es zwar, aber sie funktionierten nicht. Wir hatten keine Kommunikation und gingen durch die Stadt, um Menschen zu suchen, die Hilfe brauchten“, erinnert er sich.
Um die überfluteten Gebiete zu erreichen, mussten Amphibienfahrzeuge eingesetzt werden. Auch die Feuerwache am Piazza Centa wurde evakuiert. Die Feuerwehrleute verbrachten ihre erste Nacht in der Polizeiwache in der Via Perini. Später stellten die Franziskaner in der Via Grazioli Räume zur Verfügung, die etwa einen Monat lang als Einsatzbasis dienten.
## Erinnerung an einen tödlichen Einsatz
Zu den schmerzhaftesten Erinnerungen Zanollis gehört die Bergung des Leichnams eines jungen Mannes aus Lavis. Er war in der Via Brennero ertrunken, als er versucht hatte, ein Auto zu bergen.
Zanolli erinnert sich außerdem an Menschen, die ihre Häuser trotz des steigenden Wassers nicht verlassen wollten und um Lebensmittel baten. Gleichzeitig war auch seine eigene Familie in Gefahr. Er lebte mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn in San Lazzaro, am linken Ufer der Avisio nahe einem Damm. Seine Frau konnte sich zu den Schwiegereltern retten. Zanolli selbst hatte während der Einsätze tagelang keine Nachricht von seiner Familie.
„Wir fragten uns, wie es unseren Familien ging und ob die Frauen oder Kinder der Kollegen in Sicherheit waren. Wir hatten zu Hause nicht einmal ein Telefon“, sagt er. Sein Bruder war unterdessen bei der freiwilligen Feuerwehr in Lavis im Einsatz und half dabei, ein älteres Ehepaar zu retten, bevor dessen Haus vom über die Ufer getretenen Fluss erfasst wurde.
## 22 Tote im Trentino
Im gesamten Trentino forderte das Hochwasser 22 Menschenleben. Tausende mussten ihre Häuser verlassen, zahlreiche Gemeinden wurden schwer getroffen. Betroffen waren unter anderem das Fassatal, das Fleimstal, Primiero, Tesino, die untere Valsugana sowie Val Rendena und Val di Sole.
Auch nachdem die Pegel gesunken und die Wassermassen abgeflossen waren, blieb die Lage schwierig. Die Feuerwehren waren noch über längere Zeit mit den Folgen der Katastrophe beschäftigt.
Die Erinnerung an das Hochwasser von 1966 verweist zugleich auf die Bedeutung der Vorsorge. Bei einer hydrologischen oder hydrogeologischen Warnung sollte man die örtlichen Bedingungen aufmerksam beobachten, gefährliche Gebiete meiden und sich nicht Flüssen, Bächen, begleitenden Radwegen, Unterführungen, Senken oder von Erdrutschen bedrohten Hängen nähern. Auch bei Fahrten mit dem Auto ist besondere Vorsicht erforderlich.
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