
Historische Kastanienhaine im Trentino beherbergen 468 Pflanzenarten
Historische Kastanienhaine im Trentino sind bedeutende Zentren der Artenvielfalt. Das zeigen erste Ergebnisse einer Untersuchung des MUSE – Museo delle Scienze di Trento. Im Jahr 2026 wurden in 38 historischen Kastanienhainen insgesamt 468 Pflanzenarten und 2.442 Beobachtungen erfasst.
Damit wurden in den untersuchten Gebieten rund 18 Prozent der gesamten Flora des Trentino dokumentiert. Unter den nachgewiesenen Pflanzen befinden sich 14 verschiedene Orchideenarten. Außerdem wurden mehr als zehn Arten festgestellt, die auf der Roten Liste der Provinz stehen.
Die untersuchten Kastanienhaine liegen in mehreren Teilen des Trentino, unter anderem im Valsugana, im Basso Sarca, im Cembratal, im Etschtal, im Val Rendena und im Valle del Chiese sowie im Val di Sole.
„Historische Kastanienhaine sind echte Hotspots der Biodiversität“, erklärt Lisa Angelini, Botanikerin am MUSE und Koordinatorin des Projekts für das Trentino. Die Vielfalt sei das Ergebnis des Zusammenspiels von natürlichen Bedingungen und menschlicher Nutzung. Die reine Zahl der Arten reiche jedoch nicht aus, um die Ökosysteme vollständig zu beschreiben. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, wie Umweltbedingungen und Bewirtschaftungsformen zusammenwirken.
## Forschung zu Biodiversität und Veränderungen
Die Untersuchung ist Teil des Projekts „Il castagneto storico tra valenza socio-ecologica e cambiamenti globali“, an dem insgesamt 60 historische Kastanienhaine im Trentino und in der Emilia-Romagna beteiligt sind. Im Trentino wird die Forschung vom MUSE koordiniert. Weitere Partner sind die Fondazione Edmund Mach und das Studio PAN.
Untersucht werden Kastanienhaine mit jahrhundertealten Bäumen, die seit mindestens zehn Jahren kontinuierlich gepflegt werden. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Auswirkungen des Klimawandels, Pflanzenkrankheiten sowie wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen.
Die erste Erhebung im Trentino fand zwischen Mai und Juli 2026 statt. Für 2027 sind zusätzliche Untersuchungen zum Grad der Aufgabe der Kastanienbewirtschaftung geplant. Dabei soll auch geklärt werden, wie die biologische Vielfalt mit dem Pflegezustand der Haine zusammenhängt.
Neben botanischen Erhebungen werden die Erfahrungen der Menschen dokumentiert, die die Kastanienhaine bewirtschaften. In Interviews und Fragebögen geht es um traditionelle Pflegeformen, Krankheiten der Bäume und Veränderungen, die in den vergangenen zehn Jahren beobachtet wurden. Ein Teil dieser Aufnahmen soll 2027 in einen kurzen Dokumentarfilm über die ökologische und gesellschaftliche Bedeutung der Kastanienkultur einfließen.
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