
CGIA: Mehr junge Akademiker kommen nach Italien als ins Ausland gehen
Eine Analyse der CGIA di Mestre stellt die verbreitete Vorstellung einer anhaltenden „Abwanderung der klügsten Köpfe“ aus Italien teilweise infrage. Demnach verzeichnete Italien zwischen 2019 und 2024 bei Hochschulabsolventen im Alter von 25 bis 34 Jahren einen positiven Wanderungssaldo von 9.593 Personen gegenüber dem Ausland.
Zu den Zahlen äußerte sich der Fraktionssenator der Partei Fratelli d’Italia, Luca De Carlo, Präsident des zuständigen Senatsausschusses für Industrie, Handel, Tourismus, Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Die Daten widerlegten seiner Ansicht nach einen generellen Wegzug junger Akademiker aus Italien. Vielmehr gebe es auch den Verlauf, dass junge Menschen zunächst im Ausland Erfahrungen sammelten und anschließend nach Italien zurückkehrten. Zudem sei Italien für zahlreiche ausländische Hochschulabsolventen attraktiv.
Nach Angaben der CGIA zogen im Jahr 2024 von rund 1,8 Millionen italienischen Hochschulabsolventen zwischen 25 und 34 Jahren knapp 21.000 ins Ausland. Das entspricht einem Anteil von 1,1 Prozent. Bezogen auf die gesamte italienische Bevölkerung derselben Altersgruppe – etwa 5,2 Millionen Menschen – lag der Anteil bei 0,4 Prozent.
De Carlo verweist zugleich auf deutliche Unterschiede zwischen den Regionen. In Venetien und im Bellunesischen Bergland, wo die Arbeitslosigkeit unter dem nationalen Durchschnitt liegt, gehe es nicht mehr allein um die Zahl der verfügbaren Stellen. Entscheidend sei vielmehr, ob die angebotenen Arbeitsplätze ausreichend qualifiziert, interessant und attraktiv für jüngere Generationen und neue Fachrichtungen seien.
Als Beispiele für notwendige Veränderungen nennt De Carlo technologische Innovationen in der Landwirtschaft, darunter Drohnen für die Präzisionslandwirtschaft und die Erprobung sogenannter Techniken der assistierten Evolution. Auch im Handwerk und in der Holzverarbeitung seien moderne und zukunftsfähige Strukturen erforderlich. Um junge Menschen zum Bleiben oder zur Rückkehr zu bewegen, brauche es nach seiner Einschätzung nicht nur Versprechen, sondern konkrete berufliche Perspektiven.