
ERAS-Protokoll in Negrar: Weniger Komplikationen und kürzere Klinikaufenthalte
Die Chirurgie des IRCCS Ospedale Sacro Cuore Don Calabria in Negrar hat zwei weitere nationale Auszeichnungen für die Anwendung des ERAS-Protokolls erhalten. Die Abteilungen für Brustchirurgie unter Leitung von Alessandra Invento und für Thoraxchirurgie unter Leitung von Diego Gavezzoli wurden als „qualifizierte Zentren“ anerkannt – laut Krankenhaus als erste Einrichtungen dieser Art in Italien.
ERAS steht für „Enhanced Recovery After Surgery“. Das Behandlungskonzept soll Komplikationen verringern und die Erholung nach einem Eingriff beschleunigen. Dazu gehören eine gezielte Vorbereitung vor der Operation, frühe Mobilisierung und eine rasche Wiederaufnahme der Ernährung.
Nach Angaben des Krankenhauses sank bei Eingriffen an der Brust die Komplikationsrate von 24 auf 11,4 Prozent. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer ging von 2,9 auf 1,9 Tage zurück. In der Thoraxchirurgie wurden schwere Komplikationen sowie erneute Krankenhausaufnahmen innerhalb von 30 Tagen nach der Entlassung vermieden.
Vorgestellt wurden die Ergebnisse beim „Prehab Village“ im Kongresszentrum Centro Congressi 40 in Ospedaletto di Pescantina. Dort konnten sich Patienten unter anderem von Physiatern und Physiotherapeuten beraten lassen. Auf dem Programm standen Übungen zur körperlichen und respiratorischen Vorbereitung, Ernährungstipps sowie psychologische Unterstützung, etwa beim Rauchstopp und beim Verzicht auf Alkohol. Parallel fand der siebte nationale Kongress der wissenschaftlichen Gesellschaft ERAS ItaliaPOIS statt.
Die Allgemeinchirurgie des Krankenhauses in Negrar ist nach eigenen Angaben das erste italienische ERAS-Schulungszentrum für kolorektale und bariatrische Chirurgie. Es bildet andere italienische und europäische Zentren in der Anwendung des Protokolls aus.
Ein zentraler Bestandteil betrifft die Ernährung rund um die Operation. Langes Fasten gilt im Rahmen des ERAS-Konzepts als nicht erforderlich: Feste Nahrung kann demnach bis sechs Stunden vor dem Eingriff aufgenommen werden, klare Flüssigkeiten bis zwei Stunden vorher. Bereits zwei Stunden nach der Operation soll die Ernährung wieder beginnen, sofern dies medizinisch möglich ist.
Zum Programm gehört außerdem eine digitale Anwendung, die von der Allgemeinchirurgie des Krankenhauses entwickelt wurde. Sie bietet den Patienten multimediale Informationen und ein Tagebuch, über das das medizinische Personal den Genesungsverlauf auch nach der Entlassung aus der Ferne verfolgen kann.