
Geplante 30-Prozent-Grenze für ausländische Schüler sorgt in Verona für Streit
Die italienische Regierung plant, den Anteil ausländischer Schüler in jeder Klasse auf höchstens 30 Prozent zu begrenzen. Die Regelung soll von der Grundschule bis zur Oberstufe gelten und in einem angekündigten Gesetzesdekret festgelegt werden. Die Details befinden sich noch in Ausarbeitung.
Ausschlaggebend soll nach Angaben des zuständigen Ministers vor allem die Kenntnis der italienischen Sprache sein. Vorgesehen sind demnach Ausnahmen für Schüler, die in Italien den Kindergarten besucht oder bereits erfolgreich mehrere Schuljahre im Land abgeschlossen haben. Auch Schüler mit einem europäischen Pass sollen nicht unter die Begrenzung fallen.
Nach Angaben des Bildungsministeriums gibt es in Italien knapp 1.000 Klassen, in denen mehr als 20 Prozent neu zugewanderte Schüler ohne Italienischkenntnisse lernen. Rund 34.000 Klassen überschreiten dagegen die Schwelle von 30 Prozent ausländischen Schülern insgesamt.
Auch in Verona ist eine politische Debatte über den Vorschlag entbrannt. Der Europaabgeordnete und frühere Bürgermeister Flavio Tosi von Forza Italia bezeichnete das zugrunde liegende Prinzip als richtig. Zu viele Schüler ohne ausreichende Italienischkenntnisse könnten sowohl die Integration als auch den Unterricht erschweren, erklärte Tosi.
Gleichzeitig warnte er vor praktischen Problemen. In Stadtvierteln mit einem hohen Anteil ausländischer Familien sowie in Gemeinden mit starkem industriellem Wachstum sei es nicht immer möglich, Kinder auf andere Schulen zu verteilen, die mehrere Kilometer entfernt liegen. Tosi fordert deshalb flexible Regelungen und gegebenenfalls eine schrittweise Aufnahme ausländischer Schüler mit begleitenden Förderangeboten.
Eine andere Position vertritt Sinistra Italiana Verona gemeinsam mit Alleanza Verdi Sinistra. Die Partei lehnt eine starre zahlenmäßige Begrenzung ab und verweist auf Daten des Veroneser Immigrationsforschungszentrums Cestim. Demnach haben 17,2 Prozent der Schüler in Verona keine italienische Staatsbürgerschaft. In 118 von 791 Klassen, also in 14,9 Prozent, liegt der Anteil über 30 Prozent.
Für Sinistra Italiana-AVS handelt es sich deshalb nicht um einen von ausländischen Schülern verursachten Notstand. Notwendig seien vielmehr zusätzliche Italienischlehrer, kulturelle Mediatoren, mehr Ressourcen für die Schulen sowie eine stärkere Unterstützung von Schülern und Familien.
Der Staatspräsident Sergio Mattarella hatte zuvor betont, die Schule müsse allen offenstehen und dazu beitragen, keine Ghettos entstehen zu lassen. Eine Verteilung von Schülern könne bei tatsächlichen Konzentrationen sinnvoll sein, dürfe nach Ansicht von AVS aber nicht an die Stelle einer langfristigen Bildungs- und Integrationspolitik treten.