
Luca Mercalli in Bosco Chiesanuova: Ohne Frieden gibt es keine Zukunft für die Umwelt
„Das Klima ist eine Frage der nationalen Sicherheit.“ Mit dieser Botschaft trat der Klimatologe und Wissenschaftskommunikator Luca Mercalli am Samstag, dem 29. August, beim Film Festival della Lessinia in Bosco Chiesanuova auf. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Parole Alte“ sprach er mit dem Geologen und Höhlenforscher Francesco Sauro über die Klimakrise, ihre Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft sowie den Einfluss bewaffneter Konflikte auf die Umwelt.
Vor einem gut besuchten Publikum auf der Piazza del Festival erklärte Mercalli, Italien sei besonders verwundbar und den Auswirkungen des Klimawandels stark ausgesetzt. Diese Folgen würden sich durch die Klimakrise weiter verstärken. „Wenn die Umwelt kollabiert, kollabieren auch die Wirtschaft und die Gesellschaft“, sagte der Wissenschaftler. Grundlage des Gesprächs waren auch Themen aus seinem 2025 bei Einaudi erschienenen Buch „Breve storia del clima in Italia“.
Zusammenhang zwischen Klima und Geopolitik
Mercalli sprach außerdem über die Umweltfolgen bewaffneter Konflikte. Die Herstellung und der Einsatz von Waffen seien mit einem hohen Verbrauch fossiler Brennstoffe, Rohstoffe und anderer Ressourcen verbunden. „Krieg ist von vornherein ein Wahnsinn, unabhängig davon, ob er die Umwelt verschmutzt oder nicht“, erklärte er.
Frieden und Umweltschutz seien deshalb eng miteinander verbunden. „Wie kann man sich ohne Frieden um die Umwelt kümmern?“, fragte Mercalli. Zugleich kritisierte er die Leugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse und die Desinformation bei Umweltthemen.
Auch die zunehmende Attraktivität von Bergregionen angesichts steigender Temperaturen in den Städten kam zur Sprache. Eine solche „vertikale Migration“ müsse gesteuert und von klaren Regeln begleitet werden, sagte der Klimatologe.
Keine einfache Lösung für die Klimakrise
Mercalli warnte vor einfachen Antworten auf die komplexe Krise. „Das Rezept ist kompliziert, weil die Krankheit kompliziert ist, und es gibt nicht nur ein einziges Medikament“, sagte er.
Zu den notwendigen Maßnahmen zählte er eine Verringerung der Kohlendioxidemissionen, das Überwinden der Wegwerfmentalität und einen Rückgang überflüssigen Konsums. Außerdem müsse die Abhängigkeit von externen Ressourcen stärker reduziert werden.
Zum Abschluss verwies Mercalli auf den Widerspruch zwischen den von Institutionen erklärten ökologischen Zielen und den steigenden Ausgaben für Rüstung. Nachhaltigkeit, Sicherheit und Frieden müssten gemeinsam betrachtet werden, lautete seine zentrale Botschaft in Bosco Chiesanuova.