
Venetien: Gewerkschaften fordern Investitionen in Personal und Qualität der CUP-Dienste
Die geplante Neuordnung des Systems zur Buchung medizinischer Leistungen in Venetien sorgt bei den Gewerkschaften für Kritik. Filcams CGIL, Fisascat CISL, UILTuCS und UIL Trasporti fordern von der Region ein Gespräch, bevor die CUP-Dienste strukturell verändert werden.
Die Debatte war nach Äußerungen des regionalen Gesundheitsdezernenten Gino Gerosa neu aufgekommen. Er hatte eine stärkere Einbindung der Hausärzte in die Buchung von Untersuchungen und Arztterminen vorgeschlagen. Auch die Organisationen der Hausärzte verlangen nach Angaben der Gewerkschaften nähere Informationen zu den geplanten Abläufen, den nötigen Mitteln und der organisatorischen Umsetzung.
Aus Sicht der vier Gewerkschaften sollte zunächst geklärt werden, warum das Buchungssystem derzeit Schwierigkeiten hat. Sie führen die Probleme nicht hauptsächlich auf eine fehlende technologische Abstimmung zwischen Angebot und Nachfrage zurück, sondern auf strukturelle Entscheidungen in der Gesundheitsversorgung der vergangenen Jahre.
## Personal und Arbeitsbedingungen im Mittelpunkt
Ein zentraler Punkt ist die Lage der Beschäftigten in den CUP-Stellen. Ein erheblicher Teil des Dienstes werde von Mitarbeitern in ausgelagerten Strukturen gewährleistet, die täglich den Kontakt zu den Nutzern und deren Buchungsanfragen bearbeiten, erklären die Gewerkschaften.
Sie berichten von hoher Arbeitsbelastung, einem notwendigen Ausbau der Belegschaft und einem größeren Schulungsbedarf. Das gelte insbesondere dann, wenn durch die technologische Weiterentwicklung zusätzliche Aufgaben und Kompetenzen erforderlich würden.
Auch die Arbeitssicherheit bereitet den Gewerkschaften Sorgen. Am 9. September wurde eine Mitarbeiterin der CUP-Stelle im Krankenhaus Ospedale Civile in Venedig von einer Nutzerin angegriffen. Sie musste wegen Prellungen und Kratzern in der Notaufnahme behandelt werden. Filcams CGIL hatte daraufhin bereits mehr Schutzmaßnahmen für das Personal gefordert.
Wenn die Region die CUP-Stellen als wichtigen Zugang zur öffentlichen Gesundheitsversorgung betrachte, müsse auch das Organisations- und Vergabemodell dieser Dienste überprüft werden, so die Gewerkschaften.
## Technologie soll den persönlichen Kontakt nicht ersetzen
Die Organisationen lehnen neue Technologien einschließlich Anwendungen mit künstlicher Intelligenz nicht grundsätzlich ab. Innovation müsse jedoch mit Investitionen in die Beschäftigten einhergehen, betonen sie. Eine bessere Qualität der Dienstleistungen setze voraus, dass das Personal gestärkt werde und nicht allein der Wettbewerb um niedrigere Kosten im Vordergrund stehe.
Der Einsatz neuer technischer Instrumente dürfe außerdem den Kontakt zu den Nutzern nicht schwächen. Beratung und persönliche Unterstützung blieben besonders für Menschen wichtig, die Schwierigkeiten mit digitalen Angeboten haben und Hilfe bei Rezepten, verfügbaren Terminen und dem Zugang zu medizinischen Leistungen benötigen.
## Forderung nach einem Gespräch mit der Region
Die Gewerkschaften appellieren an die Region Venetien, vor einer grundlegenden Neuordnung der CUP-Dienste einen Verhandlungstisch mit den Arbeitnehmervertretungen einzurichten.
Mögliche Änderungen sollten auch unter Beteiligung der Beschäftigten entwickelt werden, die täglich in den Buchungsstellen arbeiten. Ziel müsse es sein, den Zugang zu medizinischen Leistungen zu verbessern, ohne die Unterstützung durch die Mitarbeiter zu schwächen.
Im Mittelpunkt der Forderungen stehen der Schutz der Arbeitsplätze, die Anerkennung der vorhandenen Fachkompetenz und die Qualität des Dienstes für die Bürger.