
Veronaer Studie: Blutbild zeigt Risiko für Herz- und Nierenkomplikationen bei Typ-2-Diabetes
Ein einfaches Blutbild könnte Ärzten dabei helfen, das Risiko schwerer Herz- und Nierenkomplikationen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes früher zu erkennen. Das zeigt eine internationale Studie unter Leitung der Azienda Ospedaliera Universitaria Integrata (AOUI) Verona, die in der Fachzeitschrift „Cell Metabolism“ veröffentlicht wurde.
Für die Untersuchung werteten die Forschenden die Daten von rund 70.000 Menschen europäischer Herkunft mit Typ-2-Diabetes aus. Im Mittelpunkt stand die Leukozytenformel des Blutbilds, also die Zusammensetzung der weißen Blutkörperchen, die eine wichtige Rolle im Immunsystem spielen. Ein eigens entwickelter Computeralgorithmus teilte die Patientinnen und Patienten in vier verschiedene Krankheitsprofile, sogenannte Endotypen, ein.
Zwei dieser Profile – SIND und LYDD – waren mit einem höheren Risiko für kardiovaskuläre und renale Komplikationen verbunden. Bei den Betroffenen zeigte sich ein Ungleichgewicht des Immunsystems, das langfristig Schäden an Blutgefäßen und Nieren begünstigen kann. Der Unterschied im Risiko ließ sich laut Studie nicht durch Alter, Geschlecht, Körpergewicht oder Blutzuckerwerte erklären. Die Profile blieben zudem über die Zeit stabil.
Nach Einschätzung der Forschenden könnte der kostenlose Online-Algorithmus künftig eine stärker personalisierte Behandlung unterstützen. Die Risikoeinschätzung würde dabei auf einem kostengünstigen Routinebluttest beruhen. Menschen mit einem höheren Risiko könnten früher engmaschiger auf Herz- und Nierenerkrankungen kontrolliert und gezielter behandelt werden.
Das Team aus Verona wurde von Riccardo Bonadonna, Direktor der Abteilung für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechselkrankheiten, geleitet. Beteiligt waren außerdem Maddalena Trombetta und Elisabetta Rinaldi. Die Forschenden beobachteten zudem, dass sich das Entzündungsprofil der SIND-Gruppe sowohl unter einer Behandlung mit Interleukin-1-beta-Antagonisten als auch nach bariatrischer Chirurgie abschwächen kann. Das deute darauf hin, dass es sich nicht nur um einen Hinweis auf die Prognose, sondern möglicherweise auch um einen therapeutisch beeinflussbaren Ansatz handelt.